{"id":23,"date":"2020-02-16T16:34:11","date_gmt":"2020-02-16T16:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/?page_id=23"},"modified":"2020-03-04T09:37:06","modified_gmt":"2020-03-04T09:37:06","slug":"lessings-gedicht-zum-thema-geheimnis-9-11-2018","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/?page_id=23","title":{"rendered":"Lessings Gedicht zum Thema Geheimnis"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">VORTRAG ZUM G\u00c4STEABEND AM 9.11.2018<\/h4>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DAS GEHEIMNIS<\/h3>\n\n\n\n<p>Hans war zum Pater hingetreten,<br>Ihm seine S\u00fcnden vorzubeten.<br>Hans war noch jung, doch ohne Ruhm,<br>So jung er war, von Herzen dumm.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pater h\u00f6rt ihn an. Hans beichtete nicht viel.<br>Was sollte Hans auch beichten?<br>Von S\u00fcnden wu\u00dft er nichts, und destomehr vom Spiel.<br>Spiel ist ein Mittelding, das braucht er nicht zu beichten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, soll das alles sein?<br>F\u00e4llt\u00ab, sprach der Pater, \u00bbdir sonst nichts zu beichten ein?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEhrw\u00fcrdger Herr, sonst nichts \u2013 \u2013<br>\u00bbSonst wei\u00dft du gar nichts mehr?\u00ab<br>\u00bbGar nichts, bei meiner Ehr!\u00ab<br>\u00bbSonst wei\u00dft du nichts? das w\u00e4re schlecht!<br>So wenig S\u00fcnden? Hans besinn dich recht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch Herr, mit Seinem scharfen Fragen \u2013 \u2013<br>Ich w\u00fc\u00dfte wohl noch was.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNu? Nur heraus! \u2013 \u2013 \u00bbJa das,<br>Herr Pater, kann ich Ihm bei meiner Treu nicht sagen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo? wei\u00dft du etwa schon, wor\u00fcber junge Dirnen,<br>Wenn man es ihnen tut, und ihnen nicht tut, z\u00fcrnen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHerr, ich versteh Euch nicht\u00ab \u2013 \u2013 \u2013<br>\u00bbUnd desto besser; gut.<br>Du wei\u00dft doch nichts von Dieberei, von Blut?<br>Dein Vater hurt doch nicht?\u00ab \u2013 \u2013<br>\u00bbO meine Mutter sprichts;<br>Doch das ist alles nichts.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNichts? Nu, was wei\u00dft du denn? Gesteh! du mu\u00dft es sagen!<br>Und ich versprech es dir,<br>Was du gestehest bleibt bei mir.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAuf Sein Versprechen, Herr, mag es ein andrer wagen;<br>Da\u00df ich kein Narre bin!<br>Er darfs, Ehrw\u00fcrdger Herr, nur einem Jungen sagen,<br>So ist mein Gl\u00fccke hin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbVerstockter B\u00f6sewicht\u00ab, fuhr ihn der Pater an,<br>\u00bbWei\u00dft du, vor wem du stehst? \u2013 \u2013 da\u00df ich dich zwingen kann?<br>Geh! dein Gewissen soll dich brennen!<br>Kein Heiliger dich kennen!<br>Dich kenn Maria nicht, auch nicht Mariens Sohn!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Hier w\u00e4r dem armen Bauerjungen<br>Vor Angst beinah das Herz zersprungen.<br>Er weint und sprach voll Reu:<br>\u00bbIch wei\u00df\u00ab \u2013 \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas wei\u00df ich schon,<br>Da\u00df du was wei\u00dft; doch was?\u00ab \u2013 \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas sich nicht sagen l\u00e4\u00dft\u00ab \u2013 \u2013<br>\u00bbNoch zauderst du?\u00ab \u2013 \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch wei\u00df\u00ab \u2013 \u2013<br>\u00bbWas denn?\u00ab<br>\u00bbEin Vogelnest.<br>Doch wo es ist, fragt nicht; ich f\u00fcrchte drum zu kommen.<br>Vorm Jahre hat mir Matz wohl zehne weggenommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGeh Narr, ein Vogelnest war nicht der M\u00fche wert,<br>Da\u00df du es mir gesagt, und ich\u00b4s von dir begehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIch kenn ein drolligt Volk, mit mir kennt es die Welt,<br>Das schon seit manchen Jahren<br>Die Neugier auf der Folter h\u00e4lt,<br>Und dennoch kann sie nichts erfahren.<br>H\u00f6r auf, leichtgl\u00e4ubge Schar, sie forschend zu umschlingen!<br>H\u00f6r auf, mit Ernst in sie zu dringen!<br>Wer kein Geheimnis hat, kann leicht den Mund verschlie\u00dfen.<br>Das Gift der Plauderei ist, nichts zu plaudern wissen.<br>Und wissen sie auch was, so kann mein M\u00e4rchen lehren,<br>Da\u00df oft Geheimnisse uns nichts Geheimes lehren,<br>Und man zuletzt wohl spricht: War das der M\u00fche wert,<br>Da\u00df ihr es mir gesagt, und ich\u00b4s von euch begehrt?*<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Freim\u00e4urer.<br>Gotthold Ephraim Lessing<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VORTRAG ZUM G\u00c4STEABEND AM 9.11.2018 DAS GEHEIMNIS Hans war zum Pater hingetreten,Ihm seine S\u00fcnden vorzubeten.Hans war noch jung, doch ohne&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23"}],"collection":[{"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87,"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions\/87"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}