{"id":25,"date":"2020-02-16T16:51:43","date_gmt":"2020-02-16T16:51:43","guid":{"rendered":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/?page_id=25"},"modified":"2020-03-05T13:59:38","modified_gmt":"2020-03-05T13:59:38","slug":"freimaurerei-aus-sicht-der-frauen-geschichte-der-feminen-freimaurerei-11-1-2019","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freimaurerinnen-berlin.org\/?page_id=25","title":{"rendered":"Freimaurerei aus Sicht der Frauen. Geschichte der femininen Freimaurerei"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vortrag zum G\u00e4steabend am 11.1.2019<\/h4>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Alten Pflichten<\/h3>\n\n\n\n<p>Am 24. Juni 1717, zum Johannisfest, vereinigten sich vier Freimaurerlogen in London und Westminster und gr\u00fcndeten die erste Freimaurer-Gro\u00dfloge der Welt. Aus diesem Anlass wird am 30. Juni in der Aachener Citykirche das 300hundertj\u00e4hrige Bestehen der Freimaurerei unter einem Dachverband &#8211; gefeiert &#8211; wie an vielen anderen Orten auch. Die Freimaurerei existierte indessen schon eine geraume Zeit l\u00e4nger. Und es gab Logen, in die auch Frauen aufgenommen werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diese neue Gro\u00dfloge erteilte der erste englische Gro\u00dfmeister Herzog John von Montagu im September 1721 dem schottisch-presbyterianischen Prediger James Anderson den Auftrag, aus alten gotischen Konstitutionen eine neue Konstitution zu verfassen. Im Jahre 1723 legte der Geistliche die erste gedruckte und ver\u00f6ffentlichte Sammlung von Gesetzen und Konstitutionen, die Old Charges oder auf Deutsch die Alten Pflichten der Freimaurer der jungen Gro\u00dfloge vor. Diese fanden Genehmigung. Sie bilden sozusagen das Grundgesetz der regul\u00e4ren Freimaurerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitat aus Freimaurer-Wiki<\/p>\n\n\n\n<p>Die auf Andersons Fassung zur\u00fcckgehenden Alten Pflichten stellen einen Kompromi\u00df dar: sie wollen einerseits durch \u00dcbernahme alter Formeln und Gebr\u00e4uche den Zusammenhang mit den alten Manuskripten der Steinmetzenbruderschaften aufrechterhalten, lassen aber anderseits durchblicken, da\u00df sie einem neuen Zweck, n\u00e4mlich der br\u00fcderschaftlichen Vereinigung von M\u00e4nnern, dienen sollen, die nicht mehr materiell mit Spitzhammer und Mei\u00dfel arbeiten. Nach ihrem ganzen Aufbau sind sie ungeeignet, w\u00f6rtlich als Satzung eines Bundes unserer Tage hingenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sollen jetzt nicht die &#8222;Alten Pflichten&#8220; auf ihre damalige und heutige Qualit\u00e4t und Brauchbarkeit hin genau untersucht werden. Im Laufe der Jahrhunderte hat es immer wieder unterschiedliche Auslegungen gegeben. Versucht man die Alten Pflichten vor dem Hintergrund der Zeit zu verstehen, ergeben sich bis heute g\u00fcltige erstaunlich liberale und tolerante Grundregeln, die insbesondere in der humanit\u00e4ren Freimaurerei bis heute G\u00fcltigkeit haben und den besonderen Geist der Freimaurerei ausmachen. Jeder regul\u00e4re und anerkannte freimaurerische Logenverein richtet sich nach ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>So auch mehr als 30 Frauenlogen in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Man beachte jedoch, dass der im III. Abschnitt seiner Old Charges betitelt &#8222;Von den Logen&#8220; den Frauen lange Zeit einen Riegel vor die Freimaurerei setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>So gilt es im Abschnitt III &#8222;Von den Logen&#8220; zu lesen, was heute vielleicht noch als grober Herrenwitz anmuten mag:<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen, welche zur Mitgliedschaft einer Loge zugelassen werden, m\u00fcssen gute, wahrhafte, frei geborene M\u00e4nner von reifem und verst\u00e4ndigem Alter, keine Leibeigenen, keine Frauenzimmer, keine unsittlichen oder anst\u00f6\u00dfigen Menschen, sondern von gutem Rufe sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Weibliche Mitglieder der Gesellschaft finden sich in einer Reihe genannt zwischen Leibeigenen und unsittlichen, anst\u00f6\u00dfigen Menschen und wurden so auf eine Stufe mit sozial Deklassierten gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitat: &#8222;Der Ausschluss der Frauen durch die Alten Pflichten rief bereits nach deren Ver\u00f6ffentlichung bei der englischen Bev\u00f6lkerung Unverst\u00e4ndnis und Ablehnung hervor. Die Freimaurer wurden als schlechte Ehem\u00e4nner und sogar als Frauenhasser bezeichnet.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So schreibt Guntram Seidler in seinem Buch Frauen und Freimaurerei : Zur Geschichte der femininen Freimaurerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich muss man die Zeit mit ber\u00fccksichtigen, in der Anderson &#8222;Die Alten Pflichten verfasste. Wie r\u00fcckschrittlich auch schon f\u00fcr die damalige Zeit diese Formulierung im Kapitel III der alten Pflichten war, zeigt das Bestehen der vielen Salons, die vor allem im franz\u00f6sischen Raum sich schon seit dem 16. Jh bildeten. Wohlhabende und gebildete Frauen, oft adeliger Herkunft, bet\u00e4tigten sich als Gastgeberinnen und wurden in dieser Eigenschaft Salonni\u00e8re genannt. Der Salon diente dem freien Ideenaustausch, ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht, und f\u00f6rderte die Aufkl\u00e4rung. Philosophen wie Voltaire oder Diderot verkehrten in den Pariser Salons und bereiteten dort den Boden f\u00fcr die Franz\u00f6sische Revolution. Was sich die Freimaurerei auf ihre Fahnen schreibt, die Aufkl\u00e4rung voran getrieben zu haben, war ein Produkt m\u00e4nnlicher und weiblicher Geistest\u00e4tigkeit und Geistessch\u00e4rfe.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland kam der Literarische ! Salon im 18. Jahrhundert als Ort b\u00fcrgerlicher Geselligkeit in Mode. Es ging dort nicht um Geselligkeit, sondern um Lesen und Aufkl\u00e4rung. Gerade war der Buchdruck erfunden worden und es gab Zeitungen, B\u00fccher, Texte, Wissensbegierde. Unter vielen m\u00f6chte ich hier Rahel Varnhagen von Ense nenne, eine deutsche Schriftstellerin j\u00fcdischer Herkunft. Zwischen 1790 und 1806 f\u00fchrte sie ihren Salon, in dem Dichter, Naturforscher, Politiker, Gesellschaftsgr\u00f6\u00dfen und Aristokraten auf einer Ebene miteinander verkehrten. Rahel Varnhagen geh\u00f6rte der romantischen Epoche an und vertrat zugleich Positionen der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung. Gleichzeitig trat sie f\u00fcr die Emanzipation der Frauen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>((Ber\u00fchmte G\u00e4ste waren Jean Paul, Ludwig Tieck, Friedrich von Gentz, Ernst von Pfuel, Friedrich Schlegel, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Friedrich de la Motte Fouqu\u00e9, Prinz Louis Ferdinand und dessen Geliebte Pauline Wiesel. W\u00e4hrend der Befreiungskriege 1813 organisierte sie die Versorgung der Verwundeten aller Kriegsparteien in Prag und sammelte Spenden f\u00fcr die Hinterbliebenen. ))<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich heute entschlie\u00dft, in eine Frauenloge einzutreten, entschlie\u00dft sich allerdings gleichzeitig dazu, die M\u00e4nner au\u00dfen vor zu lassen. Hier folgen wir den &#8222;Alten Pflichten&#8220; auf Augenh\u00f6he mit den M\u00e4nnern. Wir Frauen sind stolz darauf, dass viele Werte der heutigen Gesellschaft \u2013 das humanistische Menschenbild, Literatur, Musik und Architektur sowie viele unserer demokratischen Gemeinschaftsformen und pluralistischen Einstellungen \u2013 durch das Engagement von Freimaurern und namhaften Frauen aus dem Umfeld der freimaurerischen Kultur \u00fcber Jahrhunderte hinweg mit entwickelt wurden. Mit solchen \u00dcberlegungen f\u00fchlen wir uns dem Geist der Aufkl\u00e4rung Freiheit, Gleichheit, der Emanzipation, der Gleichberechtigung und der Br\u00fcderlichkeit \/ Schwesterlichkeit verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den notwendigen \u201eSpielraum\u201c zur Identit\u00e4tsentwicklung genie\u00dfen wir die Vorteile einer getrennt geschlechtlichen Gemeinschaft . Wir k\u00f6nnen in einer Frauenloge vom Wissen und \u201eMehr\u201c anderer Frauen lernen und Solidarit\u00e4t, Vertrauen und Verl\u00e4sslichkeit erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Steinmetzz\u00fcnfte<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wir ja alle wissen, ist die spekulative Maurerei aus der operativen hervorgegangen, aus den Steinmetzbruderschaften und deren Bauh\u00fctten. Anfangs waren die organisierten Handwerker mit den Kl\u00f6stern, namentlich denen der Benediktiner, eng verbunden (etwa 9. Jahrhundert), machten sich aber sp\u00e4ter unabh\u00e4ngig und schlossen sich dem Bund deutscher Steinmetze unter der Leitung von vier Haupth\u00fctten an, unter denen die Stra\u00dfburger H\u00fctte eine herausragende Stellung einnahm. Sabina von Steinbach soll dort im 13. Jh. eine Steinmetzin gewesen sein. Sie war die Tochter des Baumeisters des Stra\u00dfburger M\u00fcnsters, Erwin von Steinbach. Eindeutig dokumentiert ist, dass Witwen und T\u00f6chter von Bauleuten in bestimmten F\u00e4llen in die Bauz\u00fcnfte aufgenommen wurden. Das Zunftwissen, ihre Br\u00e4uche und Gesetze, Zunfttraditionen, Passw\u00f6rter, Erkennungszeichen d\u00fcrfte ihnen bekannt gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Symbolik der Freimaurerei stammt aus dieser Zeit und ist bis heute lebendiger Bestandteil unserer aller Arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig werden wir Freimaurerinnen gefragt, ob die Freimaurer Symbolik nicht eine allzu m\u00e4nnliche sei: wie Spitzhammer, rauer Stein, Winkel und Zirkel, das Lot, die Winkelwaage. Ich frage mich dann jedesmal, ob der Frager meint, dass jeder Bruder mit diesen Werkzeugen beruflich handwerklich unterwegs ist oder ob die Fragerin selber noch nie handwerklich t\u00e4tig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon immer haben Frauen hart anpacken m\u00fcssen und waren Meisterinnen im (Wieder)aufbau.<\/p>\n\n\n\n<p>In der spekulativen Freimaurerei geht es aber ja auch gar nicht um Muskelspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Steinmetze waren gleichsam zu ihrem k\u00fcnstlerischen Ideenreichtum hervorragende Mathematiker und Konstrukteure. Architekten, Bauing. w\u00fcrde man heute sagen. Schaut man im Internet unter den Stichw\u00f6rtern &#8222;Ber\u00fchmte Mathemtikerinnen oder ber\u00fchmte Wissenschaftlerinnen&#8220;-, so findet man eine riesige Anzahl, von denen man kaum die Namen kennt und nur wenige zu Ber\u00fchmtheit gelangen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Fortschritt waren im Laufe der Kulturgeschichte immer Frauen beteiligt, die in der Geschichtsschreibung oft unerw\u00e4hnt bleiben. Angesichts dieser Tatsache \u00fcbernehmen Freimaurerinnen nicht einfach nur die Tradition eines M\u00e4nnerbundes, sondern kn\u00fcpfen an eine ebenso beeindruckende wie motivierende Geschichte von Frauen an.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute gibt es Mathematikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Handwerkerinnen, Architektinnen, Bauingeneurinnen\u2026 Die Gleichberechtigung hat viel erreicht, jetzt sind auch noch die Logen dran\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beruf ist jedoch nicht ausschlaggebend f\u00fcr die Aufnahme in eine Frauenloge. Frauen, die freimaurerisch arbeiten, kommen aus den unterschiedlichsten Berufen und Lebenshintergr\u00fcnden, sehr unterschiedliche Frauen, die sich im t\u00e4glichen Leben vielleicht nicht begegnen w\u00fcrden. Hier bietet sich das ideale \u00dcbungsfeld zur Toleranz in der Wertsch\u00e4tzung menschlicher Begegnung und gegenseitiger Anregung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Begegnung in der Loge setzt viel Denkpotential frei. Um es mit Schiller zu sagen: Es ist ein &#8222;gemeinsames Nachdenken mit Freunden\/wir sagen Schwestern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir denken gemeinsam \u00fcber verschiedenste Themen nach und versuchen dabei, auch ein wenig den wissenschaftlichen Stand der Forschung einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wie in den M\u00e4nnerlogen &#8211; wer sich f\u00fcr die Mitarbeit in einer Loge entscheidet, ist entschlossen, sein Leben und seine Zukunft auf Erneuerung, Verbesserung und Vertiefung auszurichten. Die rituelle und symbolische Arbeit bietet Zeit und Anlass, bewusster dieses als Entwicklungsaufgabe f\u00fcr sich selbst anzunehmen. Mit dem rituellen Handeln einher geht wie in den M\u00e4nnerlogen der Erwerb von rituellem Wissen, das nicht nur Informationserwerb darstellt oder reines Faktenwissen. Die maurerische \u201eWerkstatt\u201c hat \u00dcbungs- und Laborcharakter und vermittelt Erfahrungs- und Handlungswissen und dient<br> damit der Vorbereitung auf den Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die freimaurerische Arbeit soll wie in den M\u00e4nnerlogen, uns dazu bef\u00e4higen, im Alltag ethisch zu handeln und einen aktiven Beitrag zur Verbesserung menschlicher Lebensumst\u00e4nde und gesellschaftlicher Strukturen zu leisten. So arbeiten M\u00e4nner und Frauen an dem gro\u00dfen Bauwerk, dem Tempel der Humanit\u00e4t\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Jede und jeder von uns \u2013 Schwester und Bruder\u2013 ist als denkender und f\u00fchlender Mensch Mitgestaltender in einer sich dramatisch ver\u00e4ndernden Welt, die nach zeitgem\u00e4\u00dfen Impulsen, Ideen und ma\u00dfgerechten Ordnungen verlangt, wenn sie menschlich bleiben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Deutschland wurden in England und Frankreich bereits im 19. Jh. Frauenlogen gegr\u00fcndet. In Deutschland feierte 1949 im Logenhaus Wilmersdorf Berlin der erste deutsche Frauenzirkel &#8222;Zur Humanit\u00e4t&#8220; seine Gr\u00fcndung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag zum G\u00e4steabend am 11.1.2019 Die Alten Pflichten Am 24. 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